Unternehmens-Mitarbeiter erhielten viele Ratschläge zur Cyber-Kriminalität
Foto: Robin König
NEUMARKT. Cyber-Kriminalität macht vor der Provinz nicht Halt: das Landeskriminalamt gab Oberpfälzer Unternehmen in Neumarkt Tipps.
Der Neumarkter Mastenhersteller Europoles hatte als Gastgeber IT-Verantwortliche, Geschäftsführer und Mitarbeiter der Unternehmen aus der Region zu einer besonderen Informationsveranstaltung eingeladen.
Hackerangriffe auf Branchenriesen, Plattformen zur Buchung und Vermietung von
Unterkünften als Marktplatz für russische Geldwäschepraktiken oder Diebstahl von
Millionen Kundendaten im Weihnachtsgeschäft – die Ausprägungen sind
unterschiedlich, das Schlagwort immer dasselbe: Cybercrime. Die Straftaten in diesem
Bereich sind drastisch angestiegen. Gerade Firmen sind ein beliebtes Ziel für solche
Attacken.
Als Referenten
konnte Europoles Matthias Schmidt von der „Zentralen Ansprechstelle Cybercrime“
des Bayerischen Landeskriminalamts (LKA) gewinnen. Er beleuchtete in seinem
Vortrag aktuelle Themen aus der Praxis, die Rolle der Polizei und auch das
Krisenmanagement bei Cyber-Angriffen.
Mit rund 60 Zuhörern war der Vortragssaal des Europoles-Gästehauses in der
Ingolstädter Straße gut gefüllt. Ob Mitarbeiter von Europoles oder IT-Leiter und
Geschäftsführer der Unternehmen aus der Region – das Publikum war bunt gemischt.
Aus
gutem Grund, denn Cyber-Attacken können jeden Mitarbeiter in seiner täglichen Arbeit treffen, hieß es.
Leittragende seien letztendlich die Firmen. So sei rund die Hälfte aller deutschen Unternehmen
bereits einmal Opfer von Cyber-Kriminalität geworden und die Fallzahlen häuften sich.
In
Deutschland ist die Gesamtzahl von registrierten Cybercrime-Fällen laut „Cybercrime
Bundeslagebild“ des Bundeskriminalamts im Jahr 2016 um über 80 Prozent im Vergleich zum
Vorjahr nach oben geschossen. Betroffenen Unternehmen rät Matthias Schmidt von der
Zentralen Ansprechstelle Cybercrime des LKA in München: „Falls Sie den Verdacht haben,
von einer Cyberattacke betroffen zu sein, sollten Sie sich umgehend an die zuständige
Strafverfolgungsbehörde wenden".
Bereits im Vorfeld sollten sich Unternehmen mit einem IT-Sicherheitskonzept und den möglichen Szenarien im Falle eines Cyberangriffs
auseinandersetzen. Ein vollständiger Schutz gegen Angriffe aus dem Internet existiere aber natürlich nicht.
Mit speziellen IT-Schutz-Systemen kann zwar ein hoher Sicherheitsstandard aufrechterhalten
werden, aber davon abgesehen sei es mindestens genauso wichtig, die Mitarbeiter zu
sensibilisieren. „Die Methoden werden immer ausgefeilter, deswegen rücken die Aufklärung
und der richtige Schutz noch mehr in den Mittelpunkt“, sagt Manuel Grad, IT-Leiter bei
Europoles und Initiator der Veranstaltung.
„Unsere Aufgabe als Polizei ist es dabei, im
Rahmen von Vorträgen über Präventionsmöglichkeiten aufzuklären und zugleich betroffenen
Institutionen beratend zur Seite zu stehen“, sagte der LKA-Beamte.
Denn so groß der angerichtete Schaden – bis hin zum Lahmlegen kompletter Unternehmen –
ist, so unscheinbar und harmlos gestaltet sich in der Regel die eigentliche Cyberattacke: Eine
E-Mail von der vermeintlich eigenen Email Adresse, die man aber selbst nie erstellt hat;
kleine E-Mail Anhänge und Links von unbekannten Absendern, die im täglichen Geschäft
keine Seltenheit sind oder „Locktexte“ in E-Mails, die sich auf aktuelle Geschäftsthemen
beziehen, sind nur ein paar Beispiele.
„Aufgrund der stetig wachsenden technischen
Möglichkeiten werden wir täglich mit neuen Herausforderungen konfrontiert“, sagte
Schmidt zur derzeitige Situation. Ziele der Attacken sind entweder das Einschleusen von Viren
in die Netzwerke oder der Diebstahl von Daten.
19.12.17
neumarktonline: Firmen aus der Region gefährdet
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