Pfleiderer
Gespräche auf Chef-Ebene
Fotos:Pfleiderer
NEUMARKT. Oberbürgermeister Thomas Thumann will Pfleiderer-Chef Hans Overdiek in einem direkten Gespräch die Standortvorteile Neumarkts nahelegen.
Noch im November wird OB Thumann ein Gespräch mit dem Vorstandschef der Pfleiderer AG führen, hieß es am Dienstag aus dem Neumarkter Rathaus. Thema dabei sollen "auch" die in der letzten Woche entstandenen Irritationen über einen möglichen Stellenabbau und die in einem Interview in den Raum gestellte Verlagerung der Konzernzentrale sein (
wir berichteten).
"Mit Freude" habe man im Rathaus die gemeinsame Erklärung von Vorstand und Betriebsrat aufgenommen, dass es derzeit keine Planungen für einen Stellenabbau und keine konkreten Pläne für eine Verlagerung der Konzernzentrale gebe (
wir berichteten). Dies habe ihm Vorstandschef Overdiek auch letzte Woche in einem Telefonat bestätigt.
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Trotzdem will Oberbürgermeister Thumann das direkte Gespräch mit Pfleiderer suchen. Dabei sollen die "guten Kontakte zwischen Stadt und Pfleiderer" fortgeführt werden, hieß es aus dem Rathaus. Auch im Hinblick auf die Zukunft will Thumann "die großen Standortvorteile Neumarkts" noch einmal herausstellen und auch die Situation der Mitarbeiter ansprechen.
Als Stadtoberhaupt sieht er Neumarkt gegenüber ausländischen Standorten durchaus mit guten Chancen. Dies gelte für die Lage Neumarkts "im Zentrum Bayerns mit ausgezeichneten Anbindungen an die Verkehrsströme" genau so wie für die betrieblichen Rahmenbedingen mit niedrigen und seit 30 Jahren nicht erhöhten Steuersätzen. Und die qualifizierten, engagierten und motivierten Mitarbeiter seien ein ernst zu nehmender Standortfaktor, der für Neumarkt spreche und den auch andere Firmen immer wieder in ihre Entscheidungen einfließen lassen.
Von daher sieht Oberbürgermeister Thumann die Wettbewerbsfähigkeit des Standortes Neumarkt durchaus positiv. Aber er werde bei dem Gespräch mit Hans Overdiek auch das Thema diskutieren, welche Vorstellungen für eine Optimierung der Wettbewerbsfähigkeit Pfleiderer habe. Als Oberbürgermeister sei es ihm daran gelegen, die Firma Pfleiderer am Standort Neumarkt auch auf lange Sicht zu halten und die Arbeitsplätze dort zu sichern.
07.11.06
Overdiek "bedauert"
NEUMARKT. Pfleiderer-Vorstandschef Overdiek äußerte gegenüber den Betriebsräten sein "Bedauern" wegen der "Irritationen".
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Nach einer mehrtägigen Tagung des Gesamt-Betriebsrat einigte man sich zusammen mit der Konzernleitung nun am Montagabend zu einer gemeinsamen Erklärung, in der die "gemeinsamen Bemühungen zur Verbesserung der nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte" betont werden.

Hans H. Overdiek
Foto: Pfleiderer AG
Wie mehrmals berichtet, hatte eine überregionale Zeitung vor einer Woche den Pfleiderer-Chef mit den Aussagen zitiert, in den nächsten dreiJahren könnten mehrere Werke nach Osteuropa verlegt werden und bis zu 860 Pfleiderer-Arbeitsplätze in Deutschland verloren gehen. Sogar der Sitz der Firmenzentrale in Neumarkt wurde zur Disposition gestellt.
Obwohl die Pfleiderer-Konzernleitung noch am selben Tag in Gesprächen mit Politikern und mit einer Presseerklärung zurückruderte (
wir berichteten), war bei den Arbeitern Feuer auf dem Dach: Seit Donnerstag tagten die Betriebsräte aus ganz Deutschland in Neumarkt. Eine ursprünglich für Freitagabend vorgesehene gemeinsame Erklärung zwischen Betriebsrat und Konzernspitze kam vorerst nicht zustande (
wir berichteten).
Am Montagabend wurde schließlich eine gemeinsame Erklärung veröffentlicht, in der Vorstands-Sprecher Overdiek sein Bedauern über die Irritationen äußert. Bei der Pfleiderer AG gäbe es "derzeit" keine Planungen über den Abbau von 860 Arbeitsplätzen, noch "konkrete" Planungen zu Standortverlagerungen oder zur Verlagerung der Konzernzentrale.
Allerdings heißt es in dem Text weiter, daß Pfleiderer sehr wohl "mittelfristig mit der Verlagerungen von Möbelproduktionen aus Deutschland nach Osteuropa" rechne.
neumarktonline veröffentlicht den Text der Erklärung im Wortlaut:
Gemeinsame Erklärung der Betriebsräte der deutschen Werke des Pfleiderer-Konzerns und des Vorstandes der Pfleiderer AG
Die Betriebsräte aller deutschen Standorte und der Vorstand der Pfleiderer AG trafen sich am Donnerstag, den 02. November 2006, zu einer gemeinsamen Sitzung. Gegenstand der Diskussion waren kritische Medienberichte, in denen von einem geplanten Arbeitsplatzabbau und einer Verlagerung von Werken der Pfleiderer AG die Rede war.
Die Betriebsräte brachten die Verärgerung und Enttäuschung der Beschäftigten zum Ausdruck und forderten vom Vorstand eine Stellungnahme. Herr Overdiek äußerte Verständnis für die Sorgen der Belegschaft und bedauerte es, wenn es durch seine Äußerungen zu Irritationen oder Fehlinterpretationen gekommen ist.
Er betonte nochmals, dass es bei der Pfleiderer AG derzeit keine Planungen gibt, die den Abbau von 860 Beschäftigten bei den Inländischen Standorten vorsehen. Noch gibt es konkrete Planungen zu Standortverlagerungen oder zur Verlagerung der Konzernzentrale.
Herr Overdiek hat jedoch nochmals mit Nachdruck auf die Situation der deutschen Holzwerkstoffaktivitäten hingewiesen, die in Teilbereichen von den vorgesehenen Wirtschaftlichkeitszahlen deutlich entfernt sind. Der Konzern rechnet mittelfristig mit Verlagerungen von Möbelproduktionen aus Deutschland nach Osteuropa. Dies ist verbunden mit der bereits eingetretenen Kostensteigerung bei Holzkosten und Energie zukünftig bei strategischen Entscheidungen zu berücksichtigen. Ziel des Konzerns ist vorrangig der Erhalt von Arbeitsplätzen in Deutschland zu wettbewerbsfähigen Bedingungen.
Die Betriebsräte und der Vorstand der Pfleiderer AG sind sich einig in gemeinsamen Bemühungen zur Verbesserung der nachhaltigen Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte. Es ist das erklärte Ziel, gemeinsam Voraussetzungen für die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte zu schaffen und somit die Zukunft der deutschen Holzwerkstoff-Aktivitäten des Pfleiderer- Konzerns zu sichern. In diesem Zusammenhang hat sich die Pfleiderer AG bereit erklärt, zur Zukunftssicherung auch in die deutschen Standorte zu investieren. Die Betriebsräte werden diesen Prozess konstruktiv begleiten.
06.11.06
Noch "Abstimmungsbedarf"
NEUMARKT. Pfleiderer-Vorstand und Gesamt-Betriebsrat konnten sich nach der Sitzung in Neumarkt nicht auf eine gemeinsame Erklärung einigen.
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Dies teilten Konzernleitung und Betriebsrat am Freitagnachmittag nach einer zweitägigen "Krisensitzung" des Gesamtbetriebsrates in Neumarkt in einer dürren Presseerklärung mit.
Nach den hohen Wellen, die Äußerungen von Vorstands-Sprecher Hans Overdiek über einen möglichen Abbau von bis zu 860 Arbeitsplätzen und eine Verlegung der Firmen-Zentrale geschlagen haben (
wir berichteten), bietet die "Nicht-Erklärung" reichlich Raum für Spekulationen. Weder Pfleiderer-Sprecherin Gala Conrad noch Betriebsratsvorsitzender Manfred Schmidt ("Bitte haben Sie Verständnis") wollten sich über die Presse-Mitteilung hinaus äußern.
Darin heißt es wörtlich: "In dem Bemühen, eine gemeinsame Erklärung des Vorstands der Pfleiderer AG
und des Gesamtbetriebsrats der deutschen Pfleiderer Werke zu formulieren,
konnten sich die Gesprächspartner, angesichts des bestehenden Abstimmungsbedarfs,
heute noch nicht auf den Wortlaut einer gemeinsamen Formulierung einigen."
Dies sei nicht zuletzt durch den Umstand erschwert worden, "dass der Vorstand heute
nicht vor Ort in Neumarkt sein konnte".
"Es ist jedoch das erklärte Ziel, den begonnenen Dialog konstruktiv fortzusetzen
und gemeinsam Maßnahmen zu vereinbaren, die entsprechende Voraussetzungen
für die nachhaltige Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Standorte schaffen.
Der Dialog und das Bemühen, eine gemeinsame Erklärung zu formulieren,
wird in der kommenden Woche fortgesetzt", heißt es in dem Presse-Text abschließend.
03.11.06
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